5 Dez

Nachbetrachtungen

oder welches Fazit man über den Aufenthalt ziehen kann und welche Ratschläge man mitgeben möchte.

Der Nahe Osten

Die Vereinigten Arabischen Emirate liegen am Persischen Golf, eingeschlossen vom Oman und dem Königreich Saudi Arabien. In Anbetracht der Nachbarländer sind die Emirate bereits sehr westlich und auch äußerst international. Einen hohen Anteil der Bevölkerung stellen Araber dar, dabei gibt es jedoch große Unterschiede zwischen den Emiratis (dort als „locals“ bezeichnet) und den übrigen Arabern, welche vorzugsweise aus Jordanien, Syrien, dem Libanon oder auch Jemen und weiteren arabisch sprechenden Ländern kommen. Insbesondere die locals sind es, welche man in Europa als die reichen Ölmultis kennt. Alle anderen Araber bilden eher die obere Mittelschicht. Dazu kommt eine breite Bevölkerungsschicht aus Indien und Pakistan, welche je nach Bildungsstand beschäftigt sind. Viele davon sind in höheren Positionen, andere arbeiten aber auch mit sehr einfachen Methoden im Straßen- oder Hochbau. Dazu kommen noch zahlreiche Einwanderer aus dem fernen Osten, welche oftmals Jobs als Kindermädchen, Verkäuferinnen oder ähnliches annehmen. Besonders auffällig ist, dass die Emirate aktiv um Einwanderer als Arbeiter werben, Einbürgerungen selbst finden jedoch kaum statt.

In den westlicheren Emiraten wie Dubai und Abu Dhabi leben ebenfalls auch viele Amerikaner und Europäer, die dort meist Bürotätigkeiten nachgehen oder beruflich für einige Zeit in dieser Gegend sind. Die Emirate Umm al Quwain, Ajman, Fujairah und Ras al-Khaimah sowie Sharjah sind weniger stark an die westliche Kultur und Bauweise angeglichen und haben eine geringere Quote an westlichen Einwanderern. Dazu kommen meist auch konservativere Verhaltensweisen und Gesetze, weswegen man sich besonders als Europäer dort mehr Gedanken machen sollte, wie man sich den Einheimischen gegenüber verhält, was bereits bei der Kleidung beginnt.


Umgangsformen

Bei den Umgangsformen ist vor allem Höflichkeit sehr groß geschrieben. Man blickt einer muslimischen Frau nicht direkt in die Augen (insbesondere als Mann, als Frau ist das durchaus akzeptiert). Dazu kommt, dass man nicht ungefragt einer Frau die Hand reicht, sondern diese nur ergreift, wenn sie ihre Hand reicht. Der Händedruck selbst ist sehr leicht, im Gegensatz zu europäischen Gepflogenheiten. Oftmals ist dem Gegenüber jedoch klar, dass es im Westen durchaus Usus ist, auch Frauen die Hand zu reichen, daher wurde mir oftmals die Hand gereicht im Gegensatz zu muslimischen Frauen.

Zusätzlich sollte man sich der starken Gastfreundlichkeit bewusst sein. Sobald man als Gast in einem muslimischen Haushalt ist, wird man vor allen anderen Familienmitgliedern mit Essen und Trinken bedacht. Selbst wenn in der jetzigen Zeit nicht immer mehr auf den Teller gehäuft wird, wie man essen kann, so wird dem Gast generell ein Nachschlag gegeben, damit er nicht hungrig den Tisch verlassen muss. Essen und Trinken reicht man sich dabei normalerweise mit der rechten Hand zum Mund, wenn man die linke Hand benutzt, wird dies zwar niemals direkt angesprochen, jedoch erntet man interessierte Blicke, da es etwas vollkommen Ungewohntes ist.

Bei manchen Haushalten wird auch Wert darauf gelegt, dass die Schuhe vor der Haustüre ausgezogen werden, darauf sollte man achten und das erste Mal unbedingt fragen, wo man die Schuhe zurücklassen kann.

In der Öffentlichkeit wird auch oftmals betont, dass keine Zärtlichkeiten auszutauschen sind. Zu beobachten ist jedoch, dass es auch viele indische und manchmal auch arabische Paare gibt, die einander an den Händen halten. Von Umarmungen, Küssen oder Ähnliches ist jedoch abzusehen, da man hiermit durchaus den Ärger der Gesellschaft auf sich zieht und dies per Gesetz sogar zu Geldbußen führen kann.

Kleidung

Als Kleidungsstil ist anzuraten, nicht zu freizügig bekleidet zu sein. Insbesondere kurze Hosen sind eher eine Seltenheit und werden nur von Kindern und jungen Männern getragen. In Reiseführern und Erfahrungsberichten wird auch betont, dass schulterfreie oder auch ärmellose Oberteile für Frauen nicht akzeptiert sind. Ich selbst konnte dies so nicht bestätigen, man kann durchaus mit einem Top mit breiten Trägern auch im eher konservativen Sharjah umhergehen, ohne darauf angesprochen zu werden. Wichtig ist dabei eben, dass man nicht schulterfrei oder mit einem großen Ausschnitt bekleidet ist. In öffentlichen Gebäuden, wie Ämtern oder auch Universitäten etc. sind eher T-Shirts zu raten, da man sich anderweitig nicht nur viele fragende Blicke einholt, sondern es zudem ohnehin sehr stark klimatisiert ist.

Wie man an nebenstehendem Bild gut erkennen kann, sind die arabischen Frauen trotz verhüllender Kleidung sehr modebewusst. Dies gilt für gesamte Golfgegend, weswegen man darauf achten sollte, eher etwas schicker gekleidet zu sein. Dabei ist es für Frauen eine gute Möglichkeit sich einen Blazer oder ein leichtes Cardigan zu kaufen, diese kann man beim Betreten eines Gebäudes leicht überwerfen. Als Schuhwerk ist annähernd alles erlaubt, da Araber an ihrer speziellen Art von Sandalen festhalten und man sich damit selbst mit FlipFlops in offizielle Gespräche wagen kann.

Als Badekleidung wird immer von „konservativer Badebekleidung“ gesprochen. Insbesondere an öffentlichen Stränden. Was genau dies bedeutet, wird jedoch nirgendwo genauer erklärt. Als Mann reichen normale Short, für Frauen gilt, dass man sich einfach mal die Gegend ansehen sollte, wenn nur Männer baden, würde man sich ohnehin nicht wohl fühlen. Ansonsten kann man aber auch mit Bikini oder Badeanzug problemlos auch offene Strände besuchen, wenngleich Sharjah in dieser Hinsicht die strengsten Regeln aufweist.

So viele Kleidervorschriften es auch gibt: die Metropolen setzen sie allesamt außer Kraft. Manchmal ist es eher beschämend zu sehen, wie freizügig sich Europäerinnen, Amerikanerinnen und Russinnen in Dubai und Abu Dhabi kleiden. Wenngleich diese Zentren sehr aufgeschlossen sind, sollte man doch in Rücksichtnahme auf die vom Islam geprägte Kultur sich auch dort eher bedeckter kleiden.

Familienleben

Der familiäre Verbund ist in diesem Teil der Welt noch stärker ausgeprägt als im Westen. Insbesondere der Vater hat in jeder Familie die unumstrittene Oberhauptsfunktion. Wenngleich viele Eheleute auch gemeinsam Entscheidungen fällen ist nach außen hin der Vater der gesetzliche Vertreter. Ein Beispiel hierzu gibt die Frage nach der Volljährigkeit, welche ich einer jungen Muslimin stellte. Ein Junge ist dann volljährig, wenn er selbst und nicht mehr sein Vater in seinem Pass unterschreibt, für ein Mädchen gilt das, wenn ihr Ehemann ihren Pass unterzeichnen kann anstelle ihres Vaters. Auch wenn das für Europäer eventuell als deutliches Zeichen von starker Unterdrückung gewertet wird, möchte ich nicht behaupten, dass Frauen in den Emiraten weniger Rechte besitzen. Es ist eher der Fall, dass versucht wird, die eigenen Frauen, sprich Schwestern, Ehefrau und Töchter stärker schützen zu können.

Was für Studenten interessant ist, ist auch der Fakt, dass man an der Universität im Hostel lebt, streng geschlechtergetrennt. Dies allerdings nur, wenn sich nicht die Möglichkeit ergibt bis zur Hochzeit im Hause der Eltern zu bleiben. Viele Jugendliche, die alleine leben, bedauern es auch, die ganze Woche von ihrer Familie getrennt zu sein. Ältere Studenten, insbesondere Doktoranden, leben meist bereits in ihren eigenen Familien und haben auch bereits ihre ersten eigenen Kinder, was zumeist mehr als eins ist, eher drei oder vier. Aus diesem Grund ist es insbesondere in den ländlicheren und konservativeren Emiraten schwieriger, studentischen Anschluss zu finden, da die dortigen Studenten eben stark in die Familie eingebunden sind.

Religion

Für den gläubigen Muslim gibt es täglich fünf Gebetszeiten, diese liegen etwa um 5 Uhr morgens, Mittags gegen 12 Uhr, nachmittags um halb fünf, abends um sieben und nachts um zehn. Während dieser Zeitpunkte wird es laut auf den Straßen, denn auf den Minaretten rufen lautsprecherbestärkt die Muezzins zum Gebet. Insbesondere sollte man darauf achten, allen Muslimen auch während der Arbeitszeit entsprechend einen kurzen Zeitraum zu geben, den sie für ihr Gebet nutzen können, um danach zurück zur Arbeit zu kehren.

Im Gegenteil zu allen Erwartungshaltungen sind Muslime relativ offen gegenüber anderen Glaubens-richtungen eingestellt, insbesondere den beiden anderen monotheistischen, also dem Judentum und dem Christentum. Wenngleich oftmals geraten wird, keine Diskussion über die Religion anzufangen, so ist es durchaus eine interessante Bereicherung, ebendies zu tun. Dabei sollte man sich jedoch im Klaren sein, dass der Glaube dort sehr stark ist. Wenn man mit christlichem Hintergrund diskutiert, dann wird man problemlos akzeptiert, wenngleich der Muslim (wie man selbst ja auch) der Meinung ist, dem richtigeren Glauben anzugehören. Wie ein Disput mit atheistischem Hintergrund ausgeht, weiß ich nicht, da ich dies nie versucht habe. Jedoch sind die Muslime stark vom Monotheismus überzeugt, so dass ein christlicher Standpunkt leichter akzeptiert werden könnte, als ein atheistischer. Auch im Gegensatz zu meinen Erwartungen ist es in der Gesellschaft durchaus akzeptiert christlichen Schmuck zu tragen.

Einzig sollte man in Anbetracht auf den Nah-Ost-Konflikt um Palästina bedenken, dass auf arabischer Seite bemängelt wird, die medialen Übertragungen seien stärker von jüdischer als muslimischer Seite beeinflusst (bspw. Überschriften, wie: „Israel kämpft mit dem militanten Palästina“, so gesehen am 16.11.2012 in einer Schlagzeile des Nachritenportals am Hauptbahnhof München, welches verdeutlicht, welche Seite vom Westen als militant bezeichnet wird) Deshalb sind die auf politisierendes Judentum schlechter zu sprechen als über den jüdischen Glauben an sich.

Verkehr

Sobald man das Land betreten hat, fällt einem die enorme Menge an Autofahrern auf. Je mehr Geld eine Familie hat, desto größer sind die Autos. Dabei sind bei einem Bezinpreis von etwa 34ct pro Liter und keiner Hubraumsteuer auch Jeeps und andere Kraftwägen mit Allrad Antrieb sehr beliebt. Einem wird geraten, so wenig wie möglich zu Fuß zu gehen, was bei über 40°C Außentemperatur auch sehr schnell verständlich wird. Dazu kommt die sehr hohe Verkehrsdichte mit ebenfalls hoher Unfallquote. Straßen verlaufen durch die Planstädte nicht nur ein- oder zweispurig, sondern teilweise auch drei- bis vierspurig, im Kreisverkehr mitunter auch bis zu fünf. Auf den Autobahnen sind es sechs und mehr. Da Platz in der Wüste kein Problem darstellt, sind die Distanzen auch um einiges weiter, als man es schätzen würde, so dass man für einen kurzen Weg zum Supermarkt oder zur Arbeitsstelle zu Fuß leicht drei bis vier Kilometer gehen muss. Selbst wenn das in Deutschland ein eher geringes Problem ist, wird das mit der hohen Luftfeuchtigkeit und der Hitze dennoch deutlich anstrengender.

Wenn man in einer reinen Wohngegend lebt eher über zwanzig Kilometer, sobald man auch nur eine Flasche Wasser kaufen möchte (Leitungswasser ist nur entsalztes Meerwasser). Daher hat man die Wahl zwischen Taxis, die sehr günstig sind, Bussen, welche stark unterkühlt sind, oder einem Mietwagen. Optimal ist keiner dieser Wege, solange man es sich nicht leisten kann, mindestens einen kleinen Jeep oder etwas ähnliches zu mieten, denn wer den größten Wagen hat, bestimmt, wer zuerst fährt und ansonsten wird gehupt. Bei Taxis gilt, dass man als junge Frau alleine nachts auch besser Bus fährt, wo es auch andere Personen gibt und ein eigenes Abteil nur für Frauen. Dies gilt genauso für die Metro in Dubai, welche aber nicht sonderlich nützlich ist, da viele Stationen einfach nur bestimmte Viertel bedienen und zwischen zwei Stationen große Distanzen zurückgelegt werden.


Alleine unterwegs als Frau

Insbesondere für Frauen sollten einige Dinge angesprochen werden, die unerfreuliche Zwischenfälle vorbeugen können. Mein Betreuer hat mir beispielsweise immer geraten, nicht alleine mit einem (indischen) Mann Aufzug zu fahren, abends alleine zu Fuß unterwegs zu sein oder Taxi zu fahren. Alleinstehende Männer sind insbesondere unter den Gastarbeitern aus Indien und Pakistan keine Seltenheit, daher ist es auch durchaus normal, als Frau auf offener Straße angestarrt zu werden, sofern man nicht verschleiert ist, bzw. zumindest ein Kopftuch trägt. Zumeist bleibt es bei interessierten Blicken, aber manchmal kommt es auch vor, dass man um die Handynummer gebeten wird oder der ein oder andere läuft einem auch gerne mal eine längere Zeit hinterher, sofern man zu Fuß unterwegs ist. In allen Fällen gilt, dass die einfachste und beste Methode, dieses Verhalten zu beenden ist, sich lautstark darauf zu berufen, dass der eigene Vater nicht möchte, dass man mit fremden Männern unterwegs ist, ins Auto steigt oder sich von jemanden begleiten lässt. Besonders gut wirkt das, wenn man diese Argumente im Beisein von mehreren muslimischen Männern ausspricht, welche auch wenn sie vollkommen unbeteiligt sind, allein durch deren auftretendes Interesse jeglichen Versuchen ein Ende bereiten.

Sobald man zu zweit unterwegs ist, sollte man wissen, dass man unverheiratet keine gemeinsame Wohnung haben darf, worunter theoretisch auch Hotelzimmer fallen. Allerdings wird in den Emiraten ohnehin nicht angenommen, dass man das versucht, daher ist es das einfachste, wenn man gar nicht nachfragt, wenn man als Paar oder auch nur mit einem guten Freund unterwegs ist, ob das mit einem gemeinsamen Zimmer in Ordnung geht, was zumeist um einiges günstiger ist, da es nicht überall Jugendherbergen gibt. Grundsätzlich ist es allerdings allen Frauen zu raten, spätnachts nicht alleine unterwegs zu sein.

Allgemeine Reisevorbereitungen

Da dieser Bericht so abgefasst ist, möglichst viele kulturelle Überraschungen vorneweg zu nehmen, ist dem in diesem Absatz kaum etwas hinzuzufügen. Bei den Reisevorbereitungen sei insbesondere auf die strengen Einfuhrrichtlinien hingewiesen, die man jedoch beim Internetauftritt des Auswärtigen Amtes oder auf dem der Regierung Dubais erfahren kann. Dabei sollte man wissen, dass beispielsweise die Einfuhr von Alkohol in kleinen Mengen erlaubt ist, man allerdings bei Mohn aufpassen sollte, da dies bereits als Rauschgift angesehen wird. Dies gilt auch für einige in Deutschland gängige Medikamente (hierzu habe ich online keine aktuelle Liste gefunden), jedoch wird Aspirin beispielsweise auch in den Emiraten verkauft und kann damit problemlos mitgeführt werden. Sollte man aufgrund von chronischen Krankheiten spezielle Medikamente benötigen, ist zu raten eine ärztliche Bescheinigung mit sich führen, dass man verpflichtet ist, diese Medikamente einzunehmen.

Ein Visum für die Emirate als Deutscher zu bekommen ist für Kurzaufenthalte von bis zu 30 Tagen sehr einfach, denn dieses wird bei der Einreise ausgestellt und verliert mit der Ausreise seine Gültigkeit. Sollten längere Aufenthalte geplant sein, so ist es auch möglich dieses Touristenvisum bis zu 90 Tage zu erweitern, wie in meinem Fall, hierbei ist jedoch die beste Möglichkeit, dass die Gastinstitution das erwirkt, da diese Institution dann als Antragsteller eingetragen wird und für den Reisenden bürgt. Bei noch längeren Aufenthalten muss man auch ein spezielles Visum beantragen, womit ich allerdings keine Erfahrung habe. Visa, welche man gesondert beantragt hat, muss man am Flughafen noch vor der Passkontrolle bestenfalls mit einer vorläufigen Kopie an einem ausgeschilderten Schalter abholen.

Spezieller Geldtransfer ist nicht nötig. Man kann mit jeder deutschen Kreditkarte, aber auch normalen Kontokarten, Geld abheben, wobei sich die Preise für den Auslandseinsatz sehr gering halten (etwa 1% des Betrages). Optional kann man sich per Western Union Geld transferieren lassen. Es gibt einige Filialen in City Centres und auf der Post, wie gut das funktioniert habe ich allerdings nicht getestet. Sollte man im Hotel übernachten wollen, so bietet es sich an über deutsche Online-Reiseportale nach einem günstigen Preis zu suchen, da dieser oftmals unter dem lokalen Preis liegt. Dies gilt auch für Autovermietungen, sofern man sie bei internationalen Konzernen tätigen möchte.

Zu guter Letzt sollte noch erwähnt werden, dass in den Arabischen Emiraten ein sehr großer Bevölkerungsanteil aller Schichten Englisch spricht und man eher von Deutschen und anderen Touristen gewohnt ist, dass diese kein Englisch beherrschen. Da auch alle Straßenschilder mit lateinischer Schrift zweisprachig bedruckt sind, muss man sich auch über die arabische Sprache wenig Sorgen zu machen.

Katze

6 Okt

Wadi Wuraya

Da Don und ich letztes Wochenende schon so weit waren, sogar schon das Schild zum Wadi Wuraya gesehen haben aber aufgrund der einbrechenden Dunkelheit den Weg nicht mehr wagten, sind wir heute nochmal auf Expeditionstour gegangen.

Da Don vormittags noch einen Termin hatte, konnten wir erst Nachmittags um zwei losfahren, mussten allerdings noch einen Stop machen, um uns etwas Wasser zu kaufen, da alle Erfahrungsberichte davon abraten, ein Wadi ohne ausreichenden Wasservorrat im Auto aufzusuchen. Und so ging es dann um drei schlussendlich auf die Emirates Road Richtung Norden um anschließend einen Knick nach Westen zu machen Richtung Dibba.

Die Wegstrecke durch das Landesinnere heute unterschied sich um einiges von der letzte Woche. Nicht nur dass die Wüste durchaus grüner war, also zumindest mehrere grüne Kleckse aufwies, auch die Berge waren schroffer und es gab mehrere Gipfel als weiter im Süden.

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Nach dieser also wirklich spannenden Strecke, liefen die Bergketten ein wenig aus, als wir uns der Küste näherten und es sah zwar immer noch stark nach Wüste aus, aber man kann die grünen Kontrastpunkte auch gut erkennen.

Wie sich die Landschaft insgesamt verändert hat, sieht man allerdings am besten, wenn man das Bild von der Autobahn durch die Berge mit dem der Küstenstraße hier vergleicht, wo sich Felder voller Palmen und Büschen erstrecken. Zwischendrin immer wieder Villen und Ferienhäuser.

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Ein Teil des Gebiets ist sogar nur für Familien als Ferienhaus-Baugebiet deklariert. Die Gründe dafür sind Don und mir noch schleierhaft, wir waren uns auch nicht ganz sicher, ob man da einfach durchfahren kann, doch es gab keine andere Straße. Wir nehmen an, es ist einfach dazu da, dass Familien dadurch einen ruhigeren Urlaub haben können, weil die Kinder dann in einer verkehrsberuhigten Gegend leben und die Häuser groß genug sind, um die komplette Verwandtschaft mit unterbringen zu können.

Wie sehr sich diese Gegend aber wirklich von der Westküste unterscheidet, kann man an den Obstständen am Straßenrand erkennen. Diese muten eher wie eine europäische Küstenstadt als man vermuten könnte.

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Auf einer immer schottriger werdenden Straße fuhren wir dann landeinwärts und hofften einfach, das Wadi irgendwie zu finden.
Abbiegungen gab es nur noch in einer Jeep-befahrbaren Form. Insgesamt wird einem ja immer wieder geraten, man solle mindestens Allrad oder am besten mit Jeep fahren. Alles Quatsch. Es ging auch ohne.

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Schlussendlich konnten wir diesmal das Wadi finden. Wasser gab es dort zwar nur in sehr begrenzten Mengen, dennoch fand sich ein traditioneller Trockenangler:

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Insgesamt war im Wadi relativ viel los, allerdings sind nur ein paar Inder oder Pakistani im Wasser herumgehüpft (und absolut außer mir keine Frau in Sichtweite) weshalb wir das dann auch lieber gelassen haben.

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Insgesamt war es aber ziemlich cool. Der Ausflug an sich, ein bisschen grün, ein bisschen Abstand von der Großstadt. Das Wissen, dass man doch nicht für alles einen Jeep (wohl aber einen fahrbaren motorisierten Untersatz!) braucht. Und dass es ein wenig windig war und man ein paar Meter zu Fuß gehen konnte, tat ebenfalls wirklich richtig gut.

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Auch hier wieder die Reiseroute, für alle, die sich ebenfalls nicht wirklich auf GPS verlassen wollen oder können (wobei das in den UAE wirklich von außerordentlichem Vorteil ist)

Wadi Wurayah Trip

Katze

5 Okt

Gitex und der modernste Souk der arabischen Welt

Die GITEX ist die größte Technologiemesse im Golfraum. Sie findet einmal im Jahr statt und alle internationalen Größen der Multimedia Branche sind vertreten. Ungefähr das ist die Info, die man von Ansässigen hier über diese Ausstellung bekommt. Falls man sich selbst informieren möchte, landet man auf gitex.com und alles, was man dort findet erweckt durchaus den Eindruck einer wirklich interessanten Veranstaltung.

Leider ist dies eine andere Facette der GITEX, als die, die man als Durchschnittsbürger zu sehen bekommt. Um dort teilnehmen zu dürfen, muss man nämlich in der Branche tätig sein oder ein Forschungsgebiet in diese Richtung haben. Die GITEX, welche für die Besucher geöffnet ist, ist eher der allgemeine Rummel.

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Und damit nicht genug, dass die vier Hallen von Sonderangeboten, Zugaben, 2-für-1 Verkaufsartikeln und Verlosungen überquillt. Es stehen allen Ernstes auch noch Angestellte der Aussteller mit selbstgemalten Pappschildern da, um noch mehr Kunden anzuwerben. Die schiere Anzahl an Sonderprospekten, die die Besucher in die Hand gedrückt bekommen, würde ausreichen um eine Kleinstadt für einen Winter zu heizen. Wenn man glaubt, man könne sich viele neue Produkte ansehen, ausprobieren und es gäbe viele Informationen dazu, so liegt man falsch. Es bilden sich Trauben um jedes Gerät, aber noch mehr um die begehrtesten Verkaufsläden. Die arabischen Äquivalente der Multimediaketten werden regelrecht von kauffreudigem Publikum belagert. Dass jemand einen 50 Zoll Fernseher auf der Schulter aus dem Chaos rettet, kein Einzelfall. Es scheint, als wäre die Welt verrückt geworden. Kein Wunder, dass der Eintritt zur Ausstellung bei umgerechnet nur 6€ liegt. Es ist keine Serviceveranstaltung. Keine Informationveranstaltung. Es ist die modernste Form von traditionellem Handeln und Angebote ergattern. Wer geglaubt hat, der Wühltisch bei Herties im Sommerschlussverkauf wäre ein Schlachtfeld muss sich für das Geschehen hier neue Begriffe einfallen lassen. Die Dimensionen sind gewaltig. Die Kaufkraft enorm. Den Umsatz will man gar nicht wissen.

Und doch eskaliert es nicht. Erstaunlicherweise gab es weder eine Massenpanik noch größere Argumentationen zwischen Händlern und potenziellen Käufern und doch war ich sehr froh, dass ich sehr bald wieder gehen musste, um meine Metro und den anschließenden letzten Bus nach Sharjah noch zu erwischen. Viel länger hält man das auch als shoppingerprobte Europäerin kaum aus. Zu groß ist doch der Rummel, du verhext die Leute, zu enorm der Andrang.

Ich jedenfalls brauch mir dieses Erlebnis nicht noch einmal anzutun. Vielleicht zahle ich in einem normalen Einzelhandel mal 50€ bis 100€ mehr, aber dafür kann ich bestimmt auch mal drei Tage länger leben und das ist es doch wert?

Katze

29 Sep

Von Westen nach Osten

8:00 theoretischer Treffzeitpunkt. Untheoretisch hat sich mein Begleiter (Don) aber verfahren und dass die Rezeption ihm grad auf indisch eine sinnlose Fahrtbeschreibung gibt, habe sogar ich verstanden.

8:30 mein Begleiter erklärt mir die Wegbeschreibung, die er von der Rezeption erhalten hat (bei dem Hochhaus da in die Straße rein…klasse, wenns nur Hochhäuser hat) und wir beide glücklich sind, uns doch irgendwie gefunden haben.

9:00 Auf der Fahrt von Sharjah nach Dubai kann man sehr gut sehen, wie sich die Umgebung verändert. Westlicher wird und doch orientalisch bleibt. Unser erster Anlaufpunkt war eine kleine Subway Filiale, um eine Art Brunch einzulegen, der uns beiden wirklich gut getan hat. Der Subway in den Emiraten stellt die Getränke übrigens sogar in Flaschen zur Verfügung, nicht in den Pappbechern, die man von allen anderen Filialen der Welt gewohnt ist. Da allerdings die Parkplätze, welche irgendwo an irgendeiner großen Straßenkreuzung sind natürlich nicht kostenfrei nutzbar sind, mussten wir für die 20min bezahlen. Das geht relativ konservativ, so mit Münzeinwurf und Zettelchen etc pp. Optional geht das aber auch modern. Man hat einfach genug Guthaben auf seinem Telefon, schreibt eine Sms an die 7275 mit Kennzeichen, Parkplatznummer, Stundenzahl und schwupps, wird der Betrag (meist etwa 2 Dirham pro Stunde) vom Guthaben gebucht und der Parkplatz bestätigt. Man erspart sich damit den sinnlosen Kampf um kaum benutzbares Kleingeld! Erstaunlich, dass das in Deutschland noch keiner bedacht hat, dass das viel einfacher wäre.

9:30 Wir fahren weiter über eine komplett schwimmende Brücke, die den Jachthafen vom offenen Meer trennt zur Mall in Dubai. Nicht nur, dass selbst Einheimische davor Angst haben, das richtige der drei Parkhäuser, von denen alle Buchstaben des Alphabets (sogar des gewohntem lateinischen) zur Beschriftung von 5 Parkstraßen benutzt werden, wieder zu finden, man muss sich auch explizit noch den Abschnitt dazu merken, der in Form einer (ebenfalls arabischen, also damit deutschen, denn in Arabien nutzt man die indischen Zahlen, was soll man auch sonst erwarten?) Ziffer auftritt.

Wenn man all das nun mental abgespeichert hat, kanns losgehen in den Konsumtempel. Falsch. In die Konsumtempelanlage. Wieder falsch. In das Eldorado aller Konsumanbeter, der Erlösung aller Besitzenden, dem Schrecken aller Ehemänner, der Freude aller Ehefrauen und dem Land der überzogenen und übervollen Kreditkarten.

Natürlich wäre es nun langweilig, sich von einem Shop in den nächsten zu schleppen, stattdessen sieht man den Eishockey-Kids zu, die so wundervoll, aber gar nicht mal ungeschickt auf der Mall-internen Eisbahn vor sich hin purzeln.

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Dem nicht genug, hat diese Mall auch noch einen integrierten Wasserfall, deren figürliche Gestaltung unweigerlich an das Logo der Modemarke “Chiemsee” erinnern muss und der auch gewaltig viel Raum einnimmt. Und zum Vergleich stehe ich da auch mal daneben und man wird mir zugeben, dass der Blumentopf neben mir bereits größer ist und daher selbst meine eher geringe Größe nicht eine noch gewaltigere Höhe vorgaukelt, als der Wasserfall wirklich besitzt.

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Natürlich könnte man erwarten, das wäre nun alles gewesen oder zumindest erwartet man in einem Shoppingtraum(a) nicht noch buntere Ausstattungsstücke und daher sind wir in den Innenhof dieser Großanlage gelaufen, haben die Nadel angeschaut, das höchste Gebäude der Welt, das, sobald ich zum Vergleich daneben stehe, bereits nicht mehr vollständig ablichtbar ist. Zumindest mit keiner Digitalkamera. Um diese Problem zu lösen, stehen freundliche Asiatinnen bereit, die man an der Spiegelreflexkamera und dem Bilderrahmen mit je einem Beispielfoto, als professionelle Andenkenfotographinnen enttarnen kann. (Falls sich nun also noch jemand fragt, warum die Japaner in München so viel knipsen: Das ist nicht für die Familie! Das sind die Ausbildung- und Fortbildungswochenenden!)

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Von meinem Begleiter wurde mir geraten, diesen Ort noch einmal abends aufzusuchen, wenn die Fontänen im Wasserbassin auf eine bestimmte Melodie hin abgestimmt ein beleuchtetes bewegtes Kunstwerk darstellen werden.

Doch mein kundiger Begleiter hat sich natürlich das Interessanteste bis zum Schluss aufgehoben. Die Mall hat ein Aquarium. Nicht so eine lustige Goldfischkugel. Auch kein auf den Tisch stellbares Objekt. Nein nicht einmal einen ganzen Raum einnehmend. Über zwei Stockwerke hinweg erstreckt sich ein gewaltiges Fischbehältnis. Wenn man es von einem künstlichen Tunnel innen betrachten möchte, muss man Eintritt zahlen. Geht man aber ein Stockwerk weiter nach oben gibt es fünf große Fenster, wo man Stachelrochen, Haie, weiße Haie und Zebrafische und viele andere Fische beobachten kann. Ohne Touristen, die vor einem stehen. Und ohne Obulus.
Zufällig kamen wir sogar vorbei, als die Fische von Tauchern gefüttert wurden. Was für eine Show! Der komplette Schwarm umkreiste den Taucher, man konnte ihn kaum noch sehen. Bis sein Eimerchen leer war und das plötzliche Interesse genauso verebbte, wie die dadurch aufgewogenen Fluten. Ganz im Gegenteil zu unserem eigenen Interesse. Wenn man Stachelrochen auf sich zuschweben sieht, versteht man, dass viele Taucher sie beschreiben als würden sie durch das Meer wie Vögel fliegen. Sie sind gefühlt sehr langsam, legen damit aber schneller Strecken zurück, als die anderen hektischen Fische. Man sieht ihre Kiemen atmen. Kleine rote Schnitte am sonst so glatten weißen Leib. Fast wie Wunden anmutend, aber doch so notwendig, um am Leben zu bleiben. Erstaunlich, wie solch von menschlicher Sicht aus deformierter Körper eine solche Eleganz aufweisen kann. Und dann die Haie. Fast unauffällig gleiten sie durch die anderen Fische hindurch, die Augen klein, das gewaltige Maul unter der spitzen Schnauze verdeckt. Einzig die spitz zulaufenden Flossen und der etwas breitere Körperbau verraten den Wolf unter den Lämmern. Doch keines wurde geraubt, kein Leben gefressen. Alles ging ruhig seinen Gang. Und dazwischen immer wieder hektisches Treiben von Hechten, Zebrafischen und für den Rest bin ich zu wenig Experte, um sie zu beschreiben. Aber meine Kamera konnte zumindest ein wenig davon festhalten.

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11:30 Mit diesen ruhigen Bildern verließen wir die Mall, während ich meinen Begleiter darüber aufklärte, welche Marken doch aus Deutschland seien und dass Adidas und Puma Brüdern gehörten, die sich jedoch zerstritten hatten. Später sollte meine Markenkompetenz auch noch auf Autofabrikate überprüft werden. Doch zuerst fuhren wir Richtung Jumeira. Eigentlich wollten wir an den Strand, doch in Mamzar kann man hauptsächlich Jetski fahren (dazu sollte man sich bei Groupon oder einer ähnlichen Homepage allerdings Vouchers kaufen, das sei günstiger), an Jumeira 1 eher Windsurfen. So kam es dann, dass wir schließlich auf der Palm Jumeira ankamen. Der künstlich aufgeschütteten Palmeninsel auf der auch das Atlantishotel thront. Auf dem Weg dort hin habe ich nun nach drei Wochen in diesem Land auch das erste Mal Frauen mit Hotpants gesehen. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass alle davon europäisch, im besten Fall noch amerikanisch ausgesehen haben. Dadurch dass nebendran Einheimische Frauen in Abaya (wie die Burka im arabischen Kulturkreis genannt wird, Burqa ist die eiserne Maske, die vor allem alte Frauen und Witwen zusätzlich tragen) vorbeiliefen, erkennt man, dass eben in Dubai auch noch arabisch gelebt wird. Der Islam fest verankert ist. Und die Touristen eben geduldet werden. Trotz der großen Hitze habe ich mich damit ein bisschen über meine lange Hose, mein TShirt über dem Top und meine Flipflops gefreut. Wenngleich ich auch in Sharjah dumm angeschaut werde, in Dubai werde ich es nicht, eher respektiert. Nur die Sonnenbrille sollte man tagsüber nie vergessen!

12:20 Man möchte es nicht glauben, aber die Grünflächen hier werden nicht alle vollautomatisiert bewässert. Das ist noch ehrlicher Hände Arbeit, das Wasser wird dabei von einem Tanklaster geliefert. So etwas habe ich bislang noch nie gesehen.

Tanklaster_small

12:25 Von der Palm Jumeira, wo ich leider keine wilden Stachelrochen, dafür aber, wenn ich richtig liege, Schwertfische im Wasser gesehen habe, ging es nach Dubai Marina.

13:30 Nach langen Baustellenstaus und verstopften Straßen, wildem Gehupe und starkem Dauereinsatz der Klimaanlage, erreichten wir endlich Dubai Marina. Dort ist die Hochburg der Hotpantträgerinnen, Sonnenanbeter und Hautkrebssüchtigen. Der öffentliche Strand ist sauber, es hat Umkleidekabinen, aber weder natürlichen noch künstlichen Schatten, genausowenig wie Strandduschen.

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Es war interessant, dort ins Wasser zu gehen. Wenngleich das Wasser dort direkt vom Indischen Ozean bereitgestellt wird, ist es doch um einiges wärmer, als das Mittelmeer (ich schweige über die Nordsee, auch über die amerikanische Ostküste. Vom Greifsee mit seinen 4°C im März keine Spur). Fakt ist: Jedes Kinderplanschbecken ist kühler. Egal, ob die Kinder davor oder danach Tee trinken und nunja, der Tee halt irgendwie wieder rausmusste. Es ist einfach eine Badewanne. Schwimmen nicht wirklich praktikabel, das kommt eher einem Dampfbadbesuch gleich, nur dass der Dampf in flüssiger Form um einen herumwabert. Draußen beim in der Luft trocknen hält man es eine Viertelstunde in der Sonne aus. Hartgesottene auch zwei. Alle anderen halten es mehrere Stunden aus, denn sobald man diese Zeit ohne Schatten überschritten hat, muss das Hirn verdampfen. Es geht nicht anders. Es ist unmöglich dort zu liegen. Einfach schlicht und ergreifend unmöglich. Selbst mit der leichten Meeresbriese und der noch nassen Haut. Keine Chance. Hätte man mir einen Backofen angeboten, ich hätte mich dankend ich die Kühle dorthin verzogen und dem Marmorkuchen aus der Nähe beim Fertigbacken zugeschaut. Im Ernst: Wer ohne Hautkrebs einen Strandurlaub in den Emiraten überleben will, sollte sich dort als erstes einen Sonnenschirm und gute Sonnencreme kaufen. Und als zweites einen Timer auf eine halbe Stunde stellen, um zu vermeiden einzuschlafen, während der Schatten wandert.

15:30 Da wir beide sehr durstig und etwas müde waren und mein Begleiter sowie dessen Auto zusätzlich auch hungrig, fuhrend wir zur nächsten Tankstelle, um Sandwiches, Getränke und Sprit zu kaufen. Nachdem wir dann gestärkt waren und endlich auch getankt hatten (es ging zu, wie in Deutschland, wenn der Spritpreis nach der Hauptreisezeit mal um 10ct sinkt, nur hier ohne solche Witzlosigkeiten, sondern einfach nur, weil halt) wollte mich mein Begleiter eigentlich zurück fahren. Dann entschied er sich aber, bedingt durch meine Ungläubigkeit darüber, dass die Autobahn sechsspurig war, dafür, mir noch den Emirates Highway zu zeigen. Dieser verbindet alle sieben Emirate und ist aus diesem Grund auch siebenspurig aufgebaut. Ich habe nachgezählt. Bei Ein- und Ausfahrten stimmt das zwar nicht immer, da hats auch mal acht beziehungsweise sechs Spuren, aber ansonsten ist das tatsächlich korrekt. Und alle Spuren werden benutzt. Nur um falschen Vorstellungen entgegen zu treten. Die Autobahn ist mitnichten leer, obwohl sie teilweise durch Wüste geht.

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Neben dieser Autobahn gab es auch noch die Dubai Range, ein eingezäunte Gebiet, auf dem man Bauplätze fernab der Stadt kaufen kann, seine Villa errichten oder erstehen und dort mit seiner Familie in Ruhe leben. Mein Begleiter meinte, vor allem viele europäische Familien würden dies bevorzugen, weil man eben doch eine gewisse sichere Atmosphäre genießt, in der die Straßen ruhig, untouristisiert und verkehrsberuhigt sind. Ein Stückchen weiter ist das Global Village. Dies ist eine Mischung aus dem Wintertollwood in München, einem Bürger- sowie einem Volksfest. Es hat dort durchaus einige Fahrgeschäfte, die man auch momentan sehen konnte, doch von Dezember bis April gibt es dort von jedem Land der Welt Buden, in denen die lokalen Spezialitäten zum Verkauf angeboten werden. Würde ich so lange hier bleiben, hätte ich dort gerne vorbeigeschaut, denn ich denke, dass es wirklich eine Erfahrung wert ist, wie es sich anfühlt, wenn die komplette Vielfalt der menschlichen Kultur auf einen Punkt zentriert aufeinanderstößt.

Auf der Strecke zurück nach Sharjah wurde mir noch geraten, in den Dragon Mart zu gehen, ein asiatischer Großmarkt, in dem man viele bunte Geschenke und Ähnliches erstehen kann und selbst wenn ich nicht vorhabe, meine Freunde zuhause mit Mitbringseln zu überhäufen, so werde ich doch gerne auch dort einmal vorbeischauen.

Bevor wir nun wirklich nach Sharjah kamen, entdeckten wir auf einer Kreuzung ein Schild mit dem Namen Fujairah. Dabei handelt es sich um ein Emirat an der Ostküste. Dort gebe es einen hübschen Strand bei Khorfakkan, wo die Berge direkt bis ans Meer reichen (und scheinbar sogar auch einen Wasserfall, also einen echten. Keiner, der nur künstlich angelegt wurde). Und es sei ohnehin doch erst

16:00 Wir fuhren Richtung Fujairah. Beide hatten wir spontan Gefallen an der Idee noch ein bisschen Natur auf uns wirken zu lassen und den angebrochenen Tag nicht so ohne Weiteres ausklingen zu lassen und so ging es nach Osten. Ohne Karte. Ohne Ahnung. Ohne Navi. Nur mit einer Idee von einem Ziel vor Augen und dem Namen einer Ortschaft, die es dort geben sollte. Nachdem wir also beide nur eine ungefähre Ahnung davon hatten, wo wir hinwollten, es auf der Autobahn aber nirgends mehr angeschrieben war, dass es nach Osten ging, fragte mein Begleiter an einer Tankstelle. Mit der überaus informativen Beschreibung, dass wir nach der Adnoc Tankstelle die von hier aus zweite Brücke nach links nehmen müssten, daran erkennbar, dass es eine neue Autobahnbrücke sei, ging es weiter.

16:30 Es gab Wüste um uns herum. Viel Wüste. Eigentlich nur Wüste. Mit einem Zaun von der Autobahn abgesperrt. Ob dieser dazu da war, die Bewohner der Wüste davon abzuhalten auf die Autobahn zu stolpern oder dazu, Touristen davon abzuhalten in der Wüste verschollen zu gehen, weiß ich nicht. Aber mein Gefühl sagt mir, dass Touristen weniger intelligent sind als Kamele und Wüstenfüchse. Und das nicht nur, weil Touristen keine 24 Stunden alleine in der Wüste überleben könnten, Kamele und Wüstenfüchse in der Zivilisation aber mit großer Wahrscheinlichkeit schon. Nur eben vielleicht nicht gerade auf der Autobahn der Zivilisation. Doch trotz der Begrenzung war die Wüste etwas sehr Interessantes. Sie sah nicht so leer aus, wie man sie sich vorstellt. Keineswegs! Sondern vielmehr so, als würde man gerne wissen, was sich hinter der nächsten Düne verbirgt. Ohne Essen und Trinken würde dieses Interesse sicherlich bald Verzweiflung weichen, aber von der sicheren Seite des Zaunes aus war es eben doch interessant.

Wüste_small

Ebenso interessant war, dass man direkt beobachten konnte, wie sich die Wüste verändert, wie mal mehr mal weniger Vegetation auftrat und die Übergänge fließend waren. Schließlich erreichten wir auch die richtige Brücke, bogen ab und fuhren auf eine Hügelkette zu.

17:10 Etwas enttäuscht waren wir schon, dass es nur eine schmale Hügelkette war und wir doch noch weit vom Ziel entfernt schienen. Doch die nächsten Hügel waren bereits am Horizont erkennbar und ehe wir uns versahen, waren wir auch mitten drin.

Dir immer wieder dort zwischen zwei Gipfeln gelegenen kleinen Wadis, Palmenoasen inmitten der unfruchtbaren Wildnis, waren wirklich etwas Außerordentliches. Meistens gab es dort im Schatten ein paar kleine Bretterverschläge, die als Behausung dienten und man sah kaum Menschen. Dennoch waren sie einfach schön. Die Oasen inmitten der glühenden Hitze. Der grüne Fleck inmitten der gelbroten Felsen. Nicht umsonst stellt dir grüne Farbe der saudi-arabischen Flagge und der grüne Balken in der Flagge der Emirate das Paradies dar. Denn das Paradies ist auch hier der Himmel. Und der Himmel ist grün und fruchtbar. Eine Oase im Jenseits, keine weitere Wüste, auch kein Nichts. Sondern der Zufluchtsort in der lebensfeindlichen Umgebung.

Bergkette_small

17:40 Wir erreichten Fujairah. Doch die Straße nach Khorfakkan war gesperrt und so fragte mein Begleiter. Fragte den Pförtner an einem großen Privatkomplex. Fragte den Taxifahrer am Straßenrand. Den Tee-Kellner, der Tee zum Mitnehmen an die Autofahrer liefert. Ein Quasi-Drive-In der arabischen Art. So fuhren wir an die Küste, vorbei an den riesigen Erdölraffinerien. Die gewaltigen Öltanks säumten die Straße, jeder Inhalt ein Vermögen. Die Leucht verseucht vom Öldunst, der sich durch die Dichtungen zwängt, einen Riss nach draußen findet und ebenso einen herin ins Auto. Es war nicht stark, mein Begleiter hätte es nicht einmal bemerkt, aber dennoch vorhanden.

Wir kamen immer weiter an der Küste gen Norden. Vorbei an schön hergerichteten kleinen Stränden mit Grünstreifen und Schatten, Kinderspielplätzen und Kettcars.

Kettcar_small

Es gab keine großen Gebäudekomplexe mehr, sondern nur noch kleinere Siedlungen deren Durchgangsstraße zugleich auch als Geschäftsstraße diente. Klamottenläden und Fleischereien, Obsthändler und Fischhändler, Cafeterias und Teehändler, Strandzubehör und Werkstätten. Entlang der Straße gab es alles. Einfach alles. Nur eben unter freiem Himmel, nicht in einer Mall, wenngleich man auch solche in kleinerer Form am Straßenrand finden konnte. Und es gab keine Hotpantträgerinnen mehr. Kaum noch Touristen, vieles waren Einheimische. Wann immer mein Begleiter gefragt hat, wurde ich kaum angesehen. Nicht aus Unhöflichkeit, denn das war es nicht. Eher aus der arabischen Lebensweise heraus, Frauen nicht zu nahe zu treten und sie eben nicht durchdringend anzusehen. Meistens hat Don auch Hindi geredet. Oftmals ging das schneller und ich denke auch, dass viele der Einheimischen dadurch freundlicher reagierten.

Wir fragten immer wieder, wo man denn an den Strand käme. Wir wollten unser Ziel finden, wollten weiter. Weiter bis zu dem Punkt, wo die Berge ans Meer reichen. Irgendwann wurde es dunkel und wir hatten zum dritten mal die noch 20km hinter uns gebracht.

18:00 Pause am Strand, etwas Wasser und Snacks von einem kleinen Supermarkt. Die Lebensgeister kommen zurück und auch die Aussicht war durchaus eine Entschädigung für die nicht gefundenen Klippen, die wir heute auch nicht mehr zu finden erhofften.

Sharjah 2012 Don (217)

Mir persönlich hat’s vor Allem dieser Privatparkplatz direkt am Strand angetan. Selbst wenn mir die Gründe noch schleierhaft sind, aus welchem Grund man sein Auto lieber im Sand als auf der Küstenstraße fahren möchte, so muss man zugeben, dass diese Garagenform doch etwas höchst Eigensinniges und damit durchaus Geniales hat.

Toyota_small

Wo ich gerade von Individualität spreche: In diesem Land ist jeder einzelne Kreisverkehr einzigartig. Manche von der Größe her (damit meine ich den, bei der siebenspurigen Autobahn, er umschließt etwa zwei Fußballfelder und den Platz, den die Fans von St Pauli brauchen, wenn sie die Fans aller anderen Fußballclubs verkloppen), aber die meisten aufgrund ihrer besonderen Gestaltung. Je größer der Kreisverkehr ist, desto mehr wird auch auf die Bepflanzung und die Grünanlagen geachtet. Aber hier an der Ostküste fällt es auf, dass auch die kleinen Kreisverkehre alle verschiedene Skulpturen und Statuen in der Mitte haben. Die meisten davon haben etwas mit dem Meer und der Seefahrt zu tun. Kein Wunder bei einem Land, das quasi nur aus Küste und Wüste besteht.

18:40 Durch diese also leicht voneinander unterscheidbaren Kreisverkehre fanden nach einer erfrischenden Pause wir schnell zurück auf die breite Küstenschnellstraße, die wir nach Norden gefolgt waren und da mein Begleiter sich sicher war, dass man wenn man weiter nach Norden führe auch nach Dubai käme, fragten wir nach.

Die erstaunliche Botschaft war: Ja. Man kommt im Norden auch nach Dubai zurück, sogar nach Sharjah. Und wir hätten Wasserfälle verpasst, diese wären in Khorfakan gewesen. Also dort, wo wir herkamen. Dort, wo es noch hell war, als wir dort waren. Schon ärgerlich! Das nächste Mal, so schworen wir, würden wir erst Nachforschungen anstellen und dann losfahren und nicht einfach auf gut Glück in die ungefähre Richtung steuern. Aber auch das muss man mal gemacht haben.

20:00 Ich durfte fahren. Don meinte, er fühle sich müde und daher wurde mir das Steuer seines Nissan Sunny überlassen. Automatik. Na wunderbar. Aber das Fahren ging besser, als erwartet. Don und ich waren beide etwas genervt davon, dass der Radiosender aufgrund der Berge den Geist aufgegeben hat und daher musste Dons alter iPod herhalten. Die Musik war eine Mischung aus Country, 90er Balladen und Eurodance. Also alles in allem eine perfekte Autofahrmischung und ich fühlte mich hinterm Steuer auch pudelwohl. Die Verkehrsschilder zeigten uns den Weg nach Sharjah und Dubai und eigentlich konnte nichts mehr schiefgehen. Also theoretisch. Praktisch gibt es in diesem Land spezielle Lkw-Autobahnen, bei denen wir uns beide nicht sicher waren, ob wir sie fahren durften. Wir lösten das Problem arabisch, eine Sprache, die wir beide nicht sprechen. Wir fuhren einfach. Bis auf die kleine Mautstation, in der ich als Deutsche weniger cool reagiert hätte und nicht einfach zwischen den Pylonen auf der Autospur durchgefahren wäre, war das auch kein Problem. Man durfte halt nur 80 fahren, wie die Lkws auch und da in jedem Emirat andere Blitzer verwendet werden, fährt man auch nur das übliche Limit +10 und kommt damit durch.

20:45 Die Stadtgrenze! Der pure Wahnsinn, wir waren in Sharjah. Jetzt nur noch das Hotel finden, ohne wieder eine halbe Stunde suchen müssen und alles wäre wunderbar. Natürlich lief es auch so einfach. Erstaunlicherweise. Beim politisch-religiösen Kreisverkehr, dem Buch-Kreisverkehr, an dem die größte Moschee, zwei Ämter und der Regierungspalast Sharjahs stehen, habe ich auf die richtige Ausfahrt gepokert und beim nächsten Kreisverkehr konnten wir auch schon den etisalat Turm neben meiner Uni sehen und ab da war es kein Problem mehr.

21:00 auf den Punkt. Zielort Nejoum Al Emarat erreicht. Ein wirklich erlebnisreicher Tag hinter mir und ich konnte glücklich zufrieden und müde den Aufzug in mein Zimmer nehmen.

Denkste! Nicht einmal das ist einer Frau in der arabischen Welt vergönnt. Kaputt und müde steht man also im Aufzug, da hechtet noch ein Enddreißiger herein, fragt, aus welchem Land man kommt. Nachdem man verdutzt mit Germany geantwortet hat, erwidert er: “Du bist hübsch” erklärt, er sei aus Bahrain, habe aber in den USA gelebt, dummerweise keine Visitenkarte dabei, nennt die Zimmernummer und meint beim Aussteigen aus dem Lift “call me – be friends”. Wie gut, dass er ein Stockwerk unter mir ausgestiegen ist. Gecalld hab ich ihn jedenfalls nicht.

Und wer wissen will, wie die Tour ungefähr ausgesehen hat (ohne Berücksichtigung der neuen Autobahn 84, die bei Google Maps nirgendwo zu finden ist) kann sich davon hier ein Bild machen.

trip

24 Sep

Die verschlungenen Wege der arabischen Post

Da hat man morgens die Utopie, dass – wenn das größte Postamt der Gegend eh schon auf den Weg zu Uni liegt – man mal schnell einen Brief nach Deutschland schicken könnte und vielleicht ein paar Briefmarken kaufen könnte, damit man das nächste Mal etwas weniger auf die Öffnungszeiten dieser Bürokratieanstalt angewiesen ist. Natürlich geht es nicht so einfach, wie in Deutschland. Es ist auch nicht so, wie in den USA, dass man nur ewig erklären muss, was man denn will und dann kann man die frankierten Briefe sogar an den eigenen Briefkasten heften und die werden vom Postboten dann gleich mitgenommen! Okay, das verwundert nicht, weil ich in den USA nicht davon ausgehe, dass die Postboten mit dem Fahrrad unterwegs sind und nicht unbedingt mit mehr Last zurückkommen wollen, als sie losgefahren sind und so ein Kleinbus ist schon gewandt, was die variable Menge an auszuliefernden und mitzunehmenden Briefen angeht. Es ist nicht wie in Australien, wo man wie in Deutschland in die Postfiliale hineinspaziert, nach Briefmarken an deutsche Adressen fragt, eine Anzahl nennt und die ohne Weitereskaufen kann. Und nein, es ist auch nicht wie in Italien, wo man Briefmarken in jedem Tabak-und-Zeitungsladen bekommen. Nicht, wie in Griechenland, wo man zur Post gehen muss, in der nur drei von den zwölf Schaltern besetzt sind und man eine Nummer ziehen muss.

Nein, hier ist natürlich alles ganz anders.

Wenn man die Halle betritt wird man erstmal von der schieren Menge der Schalter hinter den Marmorgetäfelten Tresen erschlagen. Natürlich ist nichts beschriftet, es gibt keine Automaten, um Nummern zu ziehen. Die Leuchtanzeigen sind ausgeschaltet. Lediglich die Schalter von Western Union sich deutlich gekennzeichnet. Zwei Polizeibeamte stehen oder sitzen im Raum, um darauf zu achten, dass alles nach dem Rechten geht. Nun, als Mensch ist man es gewohnt, dass man mit seinem Anliegen, Briefe zu verschicken nicht völlig alleine ist und so stellt man sich an die längste Schlange. Nur wird man von dort an den übernächsten Schalter verwiesen (hier noch von einem Polizeibeamten), der ausdrücklich für “Ladies & Locals” ausgewiesen ist. Wie sich nach einiger Wartezeit herausstellen sollte, war er aber nicht wie bei einer Post zu erwarten wäre, dazu da, um Päckchen Briefe oder Ähnliches zu verschicken, sondern wie ich ganz vorne am Schalter später lesen konnte, dazu, Pässe für die Emirate auszustellen. Da ich einen Brief dabei hatte, wurde ich gleich zwei Schalter weiter verwiesen. Nachdem ich mich dort hinter zwei Araber gestellt hatte, die, wie es schien, ein längeres Problem mit dem Angestellten zu besprechen hatten, wurde ich freundlich aber bestimmt schließlich zu Schalter zwei weitergeschickt. Natürlich wurden auch dort wichtige arabische Diskussionen geführt, die aufgrund der Gestik ein wenig nach Wegbeschreibung aussahen (und es wohl auch waren). Dann ist man endlich auch mal an der Reihe, während man auf der großen Uhr sieht, dass man eigentlich genau in diesem Moment bereits in seinem Büro hätte sein wollen. Aber sei’s drum, jetzt kann man’s auch noch hinter sich bringen.
Also wedelt man ganz nett mit dem Brief und meint, man möchte ihn nach Deutschland verschicken. Und nochmal zehn Briefmarken kaufen, die das Gleiche täten. Das war schon das erste Problem. Man kann irgendwie nicht auf Vorrat international kaufen, wie mir später bewusst geworden ist. Denn die werden direkt gedruckt und sehen so aus, wie auf der “Rechnung”, die man dafür bekommt:

Post_Rechnung_Sharjah

Aber bis es so weit war, wurde es erneut spannend. Die gute Frau hat sich wirklich abgetan, aber es war sprachlich doch etwas schwer, mir klar zu machen, was das Problem ist. Und es ist eigentlich gar nicht so kompliziert, wenn man mal weiß, worauf es rauslaufen sollte. Es gibt hier mitnichten die Unterscheidung zwischen normalem Versant und Eilpost. Also man könnte ja meinen, dass der Kunde bei der Post normalen Versand haben will, wenn er nix weiter sagt. Das heißt aber von Sharjah aus bis an andere Teile der Welt würde der Brief ein Monat brauchen. Dafür würde das nur 4 Dirham kosten. Solle er aber innerhalb zwei Wochen schon zugestellt werden, kostet der Spaß schon 10,75 Dirham und wenn man einen typisch deutschen internationalen Versand anstrebt, der auch Australien (Flugzeit: viermal so lange, wie bis nach Dubai!) innerhalb einer Woche oder bis zu zehn Tagen erreicht, dann wird’s richtig teuer und man kann 12g Papier in einem Umschlag für 80 Dirham versenden. Für 16€ kann ich mir in Deutschland den kompletten Karton Faxpapier in die Wohnung liefern lassen. Nur als Beispiel. Für 80 Dirham kann ich hier auch mehr Lebensmittel erstehen, als ich selbst in einer Woche verbrauchen kann. Ich denke, es ist kaum verwunderlich, dass ich da doch lieber die deutlich preiswertere, aber dennoch nicht völlig sinnlose Versandart der zwei Wochen gewählt habe.

Wie gut, dass ich nicht versucht habe, die Einstellungsunterlagen für die TUM auch noch abzusenden. Der Umschlag für die vielen Din A4 Blätter hätte allein bestimmt schon 20 Dirham gekostet. Das ist mir der Spaß wirklich nicht wert. Wenn ich ohnehin in sieben Wochen heimkomme, bin ich fast so schnell, wie der Schneckenbrief, aber ich weiß, dass der Brief dort ankommt, wo er ankommen soll und ich muss als Absender keine P.O. Box angeben, die ich nicht besitze! Jetzt steht dort mein Name, mein Hotel und meine deutsche Handynummer, falls jemand den Brief findet. Ein bisschen so wie diese Luftballon-Wettbewerbe, die ich als Kind immer so schön fand. Von daher passt das ja!

Nur eines kann man der arabischen Post lassen, gegen solche Gebäude wirkt sogar die Hopfenpost und der Postpalast in München etwas schmucklos:

Sharjah_Post

Und bevor man sich wundert, warum ich den Vergleich mit der Flaschenpost ziehe: Die kostet wenigstens nichts (bis eben auf eine anfangs volle, später leere Flasche), kommt mit der gleichen Wahrscheinlichkeit ans Ziel, kann mit meiner Handynummer und meinem Hotel genauso viel anfangen und wenn sie irgendwer anders bekommt, ist es schade drum.

Katze

21 Sep

Souqs und Märkte

Nachdem man hier beim Herumlaufen nicht nur viele Interessante Fleckchen und Leute sieht, sondern auch einige Läden und Souqs, bin ich also gestern nach einem Ausflug zur Uferpromende ebendort gelandet. Glücklicherweise muss man sagen. Denn die arabische Handwerkskunst beim Wege Pflastern sieht nicht vor, die dort eingebauten Kanalschächte abzudecken, geschweige denn abzudecken, beleuchten oder nachts in irgendeiner Weise kenntlich zu machen. Wie gut, dass das Pflaster selbst noch einige Fehlstücke aufwies und man gezwungenermaßen alle Viertelsekunde auf den Boden schauen muss, um nicht zu stolpern. Sonst wäre ich womöglich nicht im Souq sondern vielmehr im Kanal gelandet.

Nun, zuerst habe ich mich trotz meiner europäisch anmutenden Kleidung (seines Zeichens lange Hosen in einer anderen Farbe als schwarz und so etwas überaus freizügiges wie ein beiges Tanktop) doch in einen sehr einheimisch anmutenden Souq getraut. Dieser hier hieß Souk al Bahar. Doch auf der Karte findet man ihn nicht, nur einen mit ebendiesem Namen in Dubai.

Souk klein

Ums vorneweg zu nehmen. Obiges Bild ist ein bisschen gemogelt. Der moderne Souq sieht viel eher aus, wie ein kleines Einkaufszentrum, ohne große Marken, dafür mit vielen traditionellen Läden und vielen kleinen bunten Individualismen. Da ich allerdings noch immer nicht vom Scheitel bis zur Sohle in Schwarz gehüllt sein möchte, habe ich beschlossen mich in den Damenschuhladen zu bewegen. Das ist wenigstens überall auf der Welt ein ähnlches Schlachtfeld aus Schnäppchenjägerinnen, gestressten Verkäufern und Probierexemplaren. Dieser spezielle Laden wies sogar noch die Besonderheit auf, dass jedes Paar (sowie auch jede Tasche und jeder Gürtel) für 30 Dirham zu erwerben seien. Da das umgerechnet zwischen 6€ und 7€ sind, war der Deal gar nicht so schlecht, da ich ohnehin auf der Suche nach Ballerinas für die Uni war, da es dort erstens zu kalt für Flipflops ist (sinnlos, nicht wahr?) und zweitens alle anderen Mädels entweder mit Ballerinas oder High Heels umherwandeln. Dies hat auf Teppichboden die Gemeinsamkeit, quasi lautlos zu sein – völlig im Gegensatz zu dem freundlichen Flippen meiner Standardbeschuhung. Nun, nachdem ich das Ladenkonzept verstanden hatte, war ich auch nicht mehr verblüfft, wie man auf so einer kleinen Verkaufsfläche so viele Modelle anbieten konnte. Es funktioniert wie folgt: Man mietet sich das Stockwerk oben drüber gleich mit dazu. Allerdings würde eine Treppe, zum Schuhe nach unten befördern sowohl zu viel Platz einnehmen als dass auch der Transport weg zu lange wäre. Spricht: Unten wird auf asiatisch nach oben gebrüllt, was man braucht. Ich frage mich, wieso das so gut funktioniert hat. Es gab mehr als 300 Modelle! Und noch dazu in verschiedenen Farben! Doch kein einziges falsche Paar wurde herabgeworfen. Und das obwohl die Befehle schnell gerufen wurden, sicherlich ohne die Artikelnummer, die auf die Schuhe geschrieben war. Entweder der Laden hat selbst noch einmal dreistellig durchnummeriert, oder es gibt eine asiatische Kunst der Telepathie, die durch Zurufe aktiviert wird. Wie dem auch sei habe ich relativ schnell etwas gefunden und mit 12€ gefühlt auch nur wenig falsch gemacht.

Komplizierter wurde es da schon, die Straße zu überqueren, um auf die Uferpromenade zu gelangen. Nicht nur, dass bis auf wenige Überwege zwischen den beiden Fahrspuren ein Metallzaun steht. Nein, es war einfach eine Autokolonne, die gefühlt nicht abreissen wollte. Davon war jedes dritte Auto ein Taxi, das mich als potenziellen Kunden einschätzte. Na toll. Irgendwie geschah dann doch das Wunder einer Lücke und auf der Promenade entstanden dann mehr oder minder gelungene Fotografien. Allerdings werde ich diese Art der Bilder in der nächsten Zeit, die ich noch alleine im Land sein werde erstmal unterlassen. Es ist erschreckend, wie hartnäckig männliche arabische Mitmenschen mit einem reden wollen. Wenn man irgendwann einmal nachgibt, tragen sie zwar einem die Tüte, aber damit ergibt sich das Problem, wie man die wieder loskriegt, weil man eben nicht heimgefahren werden möchte. Um es kurz zu machen: Ich habe den richtigen Hebel gefunden. Falls man irgendetwas in einer islamischen Welt noch so gut begründen will, dann bringt das nur was, wenn man sich auf seine Familie beruft. Meine Familie will das aber nicht! Damit lässt sich jede Angelegenheit regeln, im Härtefall muss man Letzteres eben so laut brüllen, dass ein paar Passanten gucken und schon ist alles wieder so, wie man es haben will. Trotzdem behalt ich ab jetzt meine Kopfhörer in den Ohren, einfach nur nach den Weg fragen will mich hier nämlich anscheinend wirklich keiner.

Nachdem ich also nun den Souk überlebt und meine unliebsame Begleitung von Dannen geschickt habe, beschloss ich auf dem Heimweg, der ohnehin duch das Kulturerbe-Viertel führte, noch in den dortigen Souk zu gehen, da mein Freund meinte, wenn ich Postkarten suche, dann solle ich am besten da schaun, da sei’s am touristischen (laut Lonely Planet jedenfalls).

So landete ich also verschwitzt und ein bisschen abgehetzt im Souk Al Arsah. Dort wurde mich, die ich doch gerade erst meine Ruhe wieder erlangt hatte, die Tür gleich von zwei jungen arabischen Männern aufgehalten. Wie sich herausstellte, waren aber beides Händler in diesem Souk. Nachdem ich meinte, ich wolle Postkarten, wurde in in den Laden des einen verfrachtet und bekam etwas zu trinken (wobei ich immer wieder das Tee, Kaffee und Pepsi Angebot ausschlagen musste) und wurde gefragt, woher ich denn komm und welche Stadt. Und um ehrlich zu sein: die beiden wollten mir natürlich am liebsten ihren ganzen Laden andrehen, wer hätte es auch anders erwartet! Aber auf der anderen Seite stand die Neugier, was ich denn zu erzählen hatte. Und so kam es, dass das Kaufen und das Ratschen fließend ineinander übergegangen sind, ich Platz nehmen sollte und wir über verschiedene Länder deren Sitten und Lebenswertigkeiten diskutiert haben. Nachdem ich beschlossen hatte, die Postkarten, ein Seidenschal und zwei schöne Goldfiguren seien nun genug, fragte ich nach dem Preis. Und es lässt sich wirklich einiges machen. Mir hätte man einen Gesamtpreis von 97 Dirham vorgeschlagen, wahrscheinlich hätte man es mit mehr Geschick auch noch weiter drücken können, doch ich empfand die 77 Dirham auch schon als relativ gut. Danach wurden sie gesprächiger. Erzählten, für wie viel Geld sie das sonst Europäern und vor allem Russen verkauften. Wie unverschämt wenig Chinesen dafür zahlen wollen (was sie nicht für 1 Dirham bekommen, kaufen sie nicht, obwohl man sieht, dass sie es sich problemlos leisten könnten) und dass sie schlechte Erfahrungen mit Franzosen gemacht haben. Man merkt ihnen an, dass sie Menschenkenntnis besitzen. Diesen jungen Händlern, in ihren langen weißen Gewändern. Sie sind kaum älter als man selbst aber stehen jeden Tag im Laden, verhandeln und versuchen irgendwie noch Geld herauszuholen. Selbst wenn die Mieten für deutsche Verhältnisse günstig wären (sie sind es nicht, 40 000 Dirham im Jahr für so eine geringe Verkaufsfläche ist nicht gerade ein Schnäppchen) so kosten die Lebensmittel doch um Welten mehr, wenn man nicht den guten Wechselkurs anführen kann, dann braucht man ein eigenen Auto, weil man sonst quasi eingesperrt ist. Und erleben möchte man als junger Mensch natürlich auch etwas.

So kam das Gespräch schließlich auf ein sehr westliches Thema: wie viel Bier trinkt man denn nun wirklich, wenn man aus Bayern kommt? Sie selbst erzählen, dass sie nur sehr selten trinken. Es kaum vertragen. Sie gehen öfter Shisha rauchen, nach Ajman, weil es in Sharjah mittlerweile verboten ist. In Ajman sei alles erlaubt, Alkohol, Rauchen. Dort geht man weg, mit den Kumpels, nachdem man die Arbeit getan und den Laden geschlossen hat. Eigentlich gar nicht so viel anders, als in Deutschland. Nur dass man bei diesen in lange weiße Gewänder gehüllten Gestalten an Islampflichten denkt, daran, dass doch Gebetszeiten seien. Wie sie das mit ihrer Arbeit in Einklang bringen, weiß ich nicht, doch wenn ich es richtig verstanden habe stehen sie vier Stunden eher auf, als sie den Laden aufsperren. Vielleicht beten sie ja im Voraus? Und wie das mit dem Alkohol ist? Ich habe mich nicht getraut zu fragen. Dass er nicht gut für den Körper ist, wissen sie selbst. Dass Amerikaner damit gar nicht zurechtkommen von ihren Verwandten in Chicago. Übrigens nach Aussage von Arabern eine gefährliche Stadt, weil man nie weiß, ob man überfallen und mit einer Waffe bedroht wird. Ob sie selbst denn eine hätten? Ja natürlich, er komme aus Jemen und wie es da aussieht, das weiß man ja. Er war seit zwölf Jahren nicht mehr dort, kam schon als kleiner Junge mit seiner Familie hierher, seitdem besucht die Familie jedes Jahr ihre Freunde dort. Doch er hat keine, als er hierherkam war er zu klein, um sich an die Freunde zu erinnern. Doch dieses Jahr will er auch wieder dorthin, will seine Familie begleiten. Es ist ja doch seine Heimat.

Danach wurde das Gespräch wieder lockerer, drehte sich um Musik und welche Interpreten man mochte, wie viel Geld Russen verschwenden, wenn sie Urlaub machen und dass es den Armen in Russland noch viel schlimmer geht, als in den Emiraten. Die Jungs wissen das. Sie haben auch russische Freunde, die hier arbeiten. Nachdem sie ihren Termin zum Shisharauchen bekommen haben und es ohnehin schon halb zehn war, beschloss ich aufzubrechen. Auf dem Weg nach draußen wurde mir noch der halbe Souk samt den einzelnen Ladeninhabern vorgestellt.

Wer sich beschwert, diese Menschen hier, wären nur an Verkauf interessiert, muss erst einmal überlegen, ob er nicht nur am Kauf interessiert war. Am reinen Konsum, nicht am Erleben. Wer wie ich alleine dort ankommt, ohne eine große Touristengruppe hat mehr Zeit, mehr Aufmerksamkeit. Natürlich wollen auch die Menschen hier wissen, wie es wo anders auf der Welt aussieht! Und das Gespräch war durchaus interessant. Kein Ausfragen, kein Lauern auf eine falsche Bemerkung. Es war ehrliches Interesse. In den von vielen Deutschen hochgelobten Staaten von Amerika habe ich so etwas nie empfunden. Nie dieses Interesse Fremden gegenüber, immer nur diese eingelernte Freundlichkeit. Vielleicht sollte man darüber nachdenken.

Auf dem Weg durch das alte Viertel fand ich noch zwei Kätzchen dösend auf dem warmen Pflaster. Zuerst war ich erstaunt, dass sie sehr gepflegt wirkten, doch auf dem zweiten Blick wurde mir klar, dass vor allem die kleinere schwarze eine schlimme Augeninfektion haben musste. Hätte ich auch nur irgendetwas Essbares gehabt, die zwei hättens verdient gehabt, die waren nicht aggressiv, haben nicht gebettelt, nur interessiert meine Tüten begutachtet.

Katzen Sharjah

(Von den Einheimischen wird man allerdings für das Interesse in Straßenkatzen nur ungläubig angeschaut, aber dumm anschaun tun die meisten mich ja ohnehin, da war mir das dann egal.)

Schlussendlich habe ich noch meine Einkaufstour in meinem Stammsupermarkt beendet, mich mit Waffeln und Schokocookies für die nächste Uniwoche gewappnet, Aspirin und Voltaren gekauft um dem guten alten Murphy zuvor zu kommen und noch Müsli, Orangensaft und Milch mitgenommen, in der Hoffnung die nächste Woce früher aufzustehen, um das Frühstück daheim und nicht in der Uni einnehmen zu können. Genießbare Wurst war wieder einmal Fehlanzeige. Die Frankfurter aus der Dose (hier “Chicken Franks” genannt) kann ich jedenfalls nicht empfehlen, außer man möchte so süße kleine Straßenkätzen beglücken.

Katze

19 Sep

Generalsanierung

Wo man gestern noch nicht einmal erahnen konnte, dass der Kreisverkehr noch nicht fertiggestellt ist, laufen heute Arbeiter umher, graben den Boden auf, bringen Erde…..pflanzen Palmen? Wahrscheinlich. Auch an der Uferpromenade am Wochenende konnte man gut beobachten, wie das Land daran arbeitet, sich herauszuputzen. Neues Pflaster, gesäumt von einem Zaun, hinter dem sich die Bucht erstreckt und auf der anderen Seite von schattenspendenden Palmen. Ein schöneres Ambiente kann man sich wohl kaum vorstellen. Die regierende Schicht des Emirats Sharjah scheinbar auch nicht. An allen Ecken und Enden sieht man sie, die dunkelbraun gebrannten, oftmals gelb gekleideten Bauarbeiter. Mit den manchmal einfachen, manchmal auch durchaus modernen Geräten.

workers

Es ist schön, zusehen zu können, wie sich ein Landstrich selbst aufbaut. Natürlich ist klar, dass die Regierung dahinter ist. Dass man ein Land haben will, das sich bei den anderen Emiraten nicht hinten anstellen will. Eines, das die Kultur dieser Gegend hochhalten will und den Reichtum zeigen. Aber das, was dabei herauskommt ist an und für sich nichts Schlechtes. Es ist eher ein angenehmes Klima, das das Leben hier in der Hitze erträglich macht. Grüne Oasen inmitten der sandfarbenen Häuserwüste. Grund genug zu sagen, dieses Geld ins eigene Land ist besser investiert, als es den Bewohnern zu überlassen, ob sie sich arrangieren – oder eben nicht. Die Atmosphäre des Aufbaus ist eine angenehme. Jeder findet Arbeit, irgendwo. Und was öffentlich aufgebaut ist, ist auch für alle zugänglich. Besser, als nur in die eigenen vier Palastwänder der Oberschicht zu investieren, wenngleich die bereits von außen schön anzusehen sind.

Von innen werden sie ohnehin von kaum jemanden gesehen werden.

Katze

18 Sep

Die Zeitrechnung der arabischen Welt

Anlass für diesen Eintrag sind die drei netten indischen Herren, die heute morgen mein Büro in Beschlag genommen haben, um Kabel zu verlegen. Nicht dass es in einem Control Lab keine Kabel gäbe. Es gibt sogar so viele Kabel, dass man sich fragt, in welcher Steckdose man denn sein Netzteil unterbringen kann, weil alles andere bereits – nunja – verkabelt ist. Nun, nachdem ich quasi vor meine eigene Tür gesetzt wurde, hatte ich zwar schon eine Idee, wo ich arbeiten könnte, aber noch nicht genau, was.

Wie gut, dass mein Chef auch dieses Problem lösen konnte, indem er mich kurzerhand in sein Büro umquartiert hat, um dort über das Projekt zu sprechen. Da ich ohne Schreibtisch allerdings etwas nutzlos bin, was Laborarbeit oder auch Computerarbeit angeht, wurde ich schlussendlich nach der Besprechung dazu angehalten, einfach auf Youtube ein bisschen zu schauen, was es denn über das Projekt schon alles gibt und vielleicht den einen oder anderen guten Hinweis herauszufiltern. Um’s kurz zu machen: das relevanteste Video war natürlich auf Russisch. Ohne Untertitel. Desweiteren gab es noch eines, das mich zu folgender Bitte hinreißen lässt: Bitte liebe Franken, lehrt euren Schülern entweder dialektfreies Englisch – oder lasst es ganz bleiben! Verstanden hab ich jedenfalls kaum etwas.

Nun, ein ganzer Tag auf einem Besucherstuhl führt so ein wenig die Frage mit sich, wie das eigentlich geregelt ist. Das mit den festen Arbeitszeiten und der Wochenstundenzahl hier.

Aus meiner Perspektive kann ich leider nur das Leben an der Uni beschreiben und das ist ein bisschen anders, als das, was man in Deutschland erwarten würde. Nicht nur, dass mein Chef keineswegs verärgert darüber war, dass ich gestern aufgrund einen Überraschungsbesuchs meines Freundes unentschuldigt gefehlt habe, sondern meine Arbeitszeiten sind auch flexibel. Wichtiger ist, dass ich verstehe, was ich tue und dass das entsprechende Interesse da ist. Es geht nicht um die Quantität, sondern um das “Outcome”, das, was dabei rumkommt eben. Da ich mit dieser Einstellung sehr gut leben kann, wo ich ohnehin dazu neige Probleme nicht mit der Bürotür hinter mir zu lassen und ausgeschlafen besser arbeiten kann, erheben ich keinerlei Einsprüche. Einen Ausgleich fürs Ausschlafen gäb’s ohnehin nicht: nach 18 Uhr hab ich in der Uni nichts mehr verloren. Daher muss ich trotz allem zusehen, morgens die Gravitationskraft meines Bettes (die erstaunlicherweise viel größer ist, als die beispielsweise des Universitätskomplexes) und meine Müdigkeit zu überwinden, um nicht bei der größten Mittagshitze ins Büro zu trappeln. Und wenn ich es eben nicht wie geplant um neun schaffe, sitzen spätestens um halb zehn bereits auf allen Sofas und Couchecken Studenten bei Tee und Tratsch. Dass außer mir bereits zwischen vier und fünf alle “graduated students” ihren Arbeitsplatz verlassen, um nach Hause zu fahren, ist auch nicht ungern gesehen. Man arbeitet eben solange die Motivation ausreicht. Vom Konzept her eigentlich gar nicht mal so schlecht. Fraglich ist nur, wie oft sich der Student der arabischen Welt motiviert fühlt. Der deutsche Student geht in die Uni zum Arbeiten, weil er sich dazu verpflichtet fühlt und weil er weiß, dass es nicht gern gesehen wird, wenn er es grundlos unterlässt (Kater ist noch kein anerkannter Grund, auch nicht unter Studenten!). Doch wie ist es mit der Motivation? Ist man motivierter wenn man nicht muss, oder motiviert einen der Zwang, weil man ein Ende haben möchte? Ist man unmotivierter, wenn man nur Motivation zum Arbeiten braucht, weil man so viel leichter faul sein könnte? Wieso funktionieren beide Systeme?
Mein Chef sagt immer, er mag es, wenn deutsche Studenten an seinen Projekten arbeiten, weil die sich durchbeißen und dranbleiben. Aber vielleicht liegt es für uns Deutsche auch an ebendieser Atmosphäre des Nicht-Müssens. An der des Dürfens. Dieser Freiwilligkeit des Arbeitens. Zumal man sich bereits aktiv für das Projekt interessieren muss, um überhaupt dessentwegen eine andere Uni zu besuchen. Vielleicht überlagern sich bei denjenigen Deutschen, die hier arbeiten die Motivation und das Pflichtbewusstsein zu einer sehr brauchbaren Arbeit. Mir jedenfalls macht das Arbeitsumfeld hier mehr Spaß. Auch wenn ich kein eigenes Büro hätte. Die Gruppenräume sind meist leise, jeder hat seine eigenen drei Wände, aber gekocht, gegessen und Tee getrunken wird gemeinsam. Ohnehin wird viel mehr auf Gemeinsamkeit geachtet. Selten gibt es einzelne Studenten auf den Fluren zu sehen. Obwohl man an der Uni ist, gibt es dennoch viele Gruppenprojekte und die Semester werden kleiner gestaltet. Jedenfalls ist das hier so, wie es an den anderen Universitäten des Landes ist, weiß ich nicht.

Das Einzige, was in den deutschen Unis generell besser ist: die Klimaanlagen funktionieren nicht. Hier funktionieren sie so gut, dass man Kühlschränke gefühlt als Frostschutz einsetzt. Aber dafür ist es außerhalb des Gebäudes so warm, dass der Durchschnittstemperaturwert wieder im deutschen Mittel bleibt. Nur ohne Regen.

Katze

17 Sep

Sharjah nach einer Woche

Nundenn, nachdem ich dieses Jahr mehr gereist bin, als ich zu Hause verbracht habe, ist es nun an der Zeit alles ein wenig Revue passieren zu lassen. Durch die vielen neuen Eindrücke bin ich kein anderer und damit sicherlich auch kein besserer Mensch geworden. Dennoch kann ich selbst sehen, wie sich mein Horizont doch erweitert und mein Blickwinkel auf viele Dinge um mich herum verändert hat. Vielleicht sollte man die Dinge der Reihe nach erzählen und da dies ein Blog ist, wäre es um einiges einfacher gewesen, die Zeit zurück zu drehen und am Anfang zu beginnen. Natürlich nicht ganz am Anfang, aber zumindest am Anfang diesen Jahres. Da dies aber zum momentanen Stand der Technik noch nicht möglich ist, versuche ich nun, da ich gerade auf einem Praktikumsaufenthalt im Emirat Sharjah der Vereinigten Arabischen Emirate bin, meine Gedanken niederzuschreiben, die Entwicklungen aufzuzeigen und vielleicht meine eigenen Denkfehler finden und ein wenig mehr Objektivität dieser Welt gegenüber zeigen. Doch genug der einleitenden Worte, wichtiger ist, was Wirklichkeit ist.

Wie es sich nach der ersten Woche in einem arabischen Land anfühlt. Man mag behaupten, Europa wäre das fortschrittlichste Land, die USA das mit dem weitreichendsten Einfluss und den meisten Vorbildern und wer träumt nicht von Australien, vom Weit Weit Weg? Nun, ich muss zugeben, Regenwald-Nationalparks kann man hier nicht finden, der TÜV muss noch erfunden werden und wer sich so kleidet, wie das durchschnittliche amerikanische Popsternchen würde von Kleiderspenden überhäuft werden. Und dennoch ist der Eindruck, den dieses Land auf mich macht durchwegs positiv.
Wie bereits eingangs erwähnt: Angst vor der fremden Sprache und den unleserlichen Leuchtreklamen und Verkehrsschildern und Speisekarten braucht man hier nicht zu haben. Auch wenn man erwartet, dass die bevorzugte Sprache Arabisch ist, liegt man falsch. Die meisten Gespräche laufen auf Englisch ab, wer etwas auf sich hält, schickt seine Kinder in den englischsprachigen Schulunterricht und alle Schilder, Prospekte, Hinweise, Menükarten sind zweisprachig gehalten. Zu groß ist die Anzahl an willkommenen Einwanderern und Arbeitern aus dem Nahen, Mittleren und Fernen Osten. Zu vielfältig die Sprachen, die Verhaltensweisen, die Kulturen aller einzelnen Gruppierungen. Doch anders als in den USA spiegeln die Wohnviertel der Großstadt nicht die Weltkarte wieder, sondern eher – wie in den europäischen Ländern – den Wohlstand jeder einzelnen Familie. Je näher man in den geschäftigen Zentren wohnt, desto kleiner sind die Räume, desto einfacher die Einrichtung. Man macht Kompromisse, um hier arbeiten zu können, um besser leben zu können, als dort, wo man aufgebrochen ist. In wie weit das wahr ist? Ich weiß es nicht, aber wäre es komplett falsch, wäre dieses Land nicht das, was es gerade ist.

Herkunft, Religion, politischer Hintergrund, all das sind keine Kriterien, eine Arbeit zu finden. Zu unterschiedlich sind doch die Vertreter jeder Branche, als dass sich dieser Rückschluss ziehen ließe. Zugleich aber ist es eine Tatsache, dass die eigentlichen Einwohner dieser Gegend, die Emiratis, diejenigen sind, die unumstritten die Oberschicht bilden. Man kann sie gewissermaßen mit Erbadel vergleichen, der mit einem Reichtum umzugehen hat, der nicht selbst erwirtschaftet wurde, der nur verwaltet gehört. Nicht, dass diese Emiratis faul wären! Im Gegenteil, die meisten sind geschäftig, arbeiten, studieren. Aber man merkt ihnen die monitäre Überlegenheit an. An der Kleidung, am Make-Up, am eleganten Schuhwerk. Und an der arabischen Sprache, die hier noch ihren Platz beansprucht, unumstößlich, unbelehrbar (in etwa so, wie das Dresdner Hochdeutsch) und auf faszinierende Art und Weise fremd. Die Männer iin weiß, die Frauen in schwarz gekleidet. Im Gegensatz zu Deutschland sieht man hier aber die Unterschiede dieser traditionellen Kleidung. Keines der Gewänder gleicht dem anderen. Am Saum der schwarzen Kleider sind Verzierungen, Spitzensaum, aufgestickte Edelsteine und sogar Swarovski Strass sind keine Seltenheit. Ebenso nicht die High Heels, aller erdenklicher Modelabels, die von den weiblichen Emiratis bevorzugt getragen werden, noch vor den Ballerinas. Wenn man als Fremde (und als Deutsche wird man allein an der Hautfarbe schon als solche erkannt) dort lebt, ist es jedoch kein Zwang sich komplett zu verhüllen, wie die Einheimischen es tun. Vielmehr kann man wie die Inderinnen und Asiatinnen das Haar offen tragen, ein kurzärmeliges T-Shirt und bequeme offene Schuhe dazu. Einzig Shorts sollten im Schrank bleiben, auch wenn die Temperaturen im Herbst schon “akzeptabler” sind als im Sommer (wer auch immer 42°C als akzeptabel deklariert hat), findet man auf der Straße keinen, der sich hier einheimisch fühlt und etwas anderes als eine knöchellange Hose oder einen ebensolangen Rock trägt. Im Nachbaremirat Dubai soll das laut Aussagen vieler anders sein, doch auch dort, so nehme ich an, bestehen die Shorts und Minirock-Träger zu 100% aus Touristen, welche ihren Winterurlaub gerne mit der typischen Ich-war-am-Stran-Bräune bekunden möchten.

Doch selbst wenn man etwas weniger bedeckt durch die Straßen geht (was bereits mit einem ärmellosen Oberteil der Fall ist), sind die meisten Blicke keineswegs feindselig, sondern vielmehr interessiert. Vor allem als Frau fühlt man sich dabei ein wenig unsicher, zumindest wenn Gedankenlesen noch nicht zum eigenen Repertoire gehört. Zusätzlich ist es auch in einigen Gegenden ratsam, es zu vermeiden, spätabends noch alleine unterwegs zu sein oder auch ein Taxi zu nehmen, noch allgemein alleine mit einer unbekannten männlichen Person den Aufzug zu teilen. Aufgrund wohl allgemein verständlichem Selbstschutz habe ich diese gut gemeinten Ratschläge noch nicht aufs Gegenteil geprüft, noch ebendies vor.

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Solange man sich allerdings daran hält, sind die Einwohner hier sehr freundlich. Nicht nur wird einem Hilfe angeboten, sondern es wird ehrlich danach gefragt, wer man ist, woher man kommt und welche Windungen des Schicksals einen in dieses Emirat verschlagen hat, das doch so wenig von den Reisegesellschaften angepriesen wird im Gegensatz zum großen Bruder Dubai. Es ist vor allem diese Ehrlichkeit, die die Gegend hier bestreitet. Kein flüchtig hingeworfenes “Hi how are u” ohne Abwarten der Antwort. Sondern, wenn man gefragt wird, dann aus Interesse.

Insbesondere die Hilfsbereitschaft der hiesigen Bevölkerung ist es aber, die einem das Ankommen erleichtert und das Verständnis fördert. Wenn man wo einkauft, freuen sich die Kassierer darüber, dass man dort einkauft. Die Tüten werden von Mitarbeitern gepackt, ohne ein entsprechendes Trinkgeld zu verlangen. Im Restaurant ist man willkommen, obgleich man weder der Nationalität des Gastgebers und dementsprechend der meisten Gäste entspricht, die traditionell dort getragenen Kleider überhaupt besitzt, noch genau weiß, was einen erwartet. Zu Raten ist allerdings allen, dass man sich nicht mit der Karte zufrieden gibt, sondern gleich den Kellner fragt, was es denn für den eigenen Geschmack so gäbe. Was in Deutschland scharf ist, wäre bei vielen indischen Restaurants wohl als Babynahrung erhältlich! So muss man wirklich aufpassen, wie viel man sich zutraut und auch nachfragen, wie scharf die dortige Bedienung das eigene Essen einschätzt. Im Gegenteil zu touristischen Örtlichkeiten sind die Gerichte meistens nicht auf europäische Mägen zugeschnitten, sondern vielmehr wird die eigene traditionelle Kost den Landsleuten hier angeboten. Wer nicht feuerspeiend nach Hause gehen möchte, sollte also anfangs lieber Vorsicht wahren lassen!

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Das Leben sonst ist sehr angenehm, ich gehe meinen Praktikumspflichten an der Uni nach. Günstigerweise kann ich keine Überstunden dort machen, da sich Frauen nach 18 Uhr dort nicht mehr aufzuhalten haben aufgrund des dort untergebrachten Männerkollegs. Das heißt, dass ich den Kühlschrank (oder besser: mein Büro) zeitig verlassen kann und im Hotelzimmer bei meiner eigenen Wunschtemperatur weiterarbeiten kann. (Studentenwohnungen werden nur für 6 Monate oder länger vermietet. Untermiete bei einer fremden Familie ist gesetzlich verboten! Einige Unis haben jedoch Männer- und Frauenkollegs auf dem Campus.) Dabei unterbrechen mich nur die gelegentlichen Gebetszeiten, während derer man den Muezzin von jeder erdenlichen Ecke der Stadt aus vernehmen kann. Dabei reichen selbst In-Ear-Kopfhörer nicht als Schalldämpfer aus. Daher ist es das Einfachste, sich daran zu gewöhnen und zu den entsprechenden Zeiten nicht unbedingt im unmittelbaren Umkreis der Minarett-Lautsprecher aufzuhalten. Vielmehr als sich darüber zu ärgern, dass es laut ist, sollte man allerdings die enorme Glaubensfestigkeit dieser Menschen bewundern. Wenn man am Freitag (den “Sonntag” der Muslime) in der Mittagshitze unterwegs ist, wird man feststellen, dass zur Gebetsstunde von 12:00 bis 13:00 nicht nur annähernd alle Lokalitäten und Geschäfte geschlossen haben, sondern dass aus allen Ecken und Enden die Männer in die Moschee zum Gebet strömen. Diese starke Glaubensbindung – in Deutschland nur noch in wenigen kleinen Dörfern und bei alten Menschen sichtbar – stellt hier einen festen Bestandteil des Lebens dar.

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In Summe ist die erste Woche hier nicht unbedingt als Kulturschock zu bezeichnen, wenngleich man schon sehr aufgeschlossen sein sollte, um die Eindrücke in sich aufnehmen zu können, ohne sie von vornherein als negativ oder unzivilisiert zu empfinden.

Katze

14 Sep

Überraschungsbesuch

Es gibt Momente, die wird man nie in seinem Leben vergessen. Wenn man morgens in der Früh um halb acht ans Telefon im Hotelzimmer geht und sich wundert, wegen was einem die Rezeption anrufen könnte. Und dann ist da eine vertraute Stimme dran und meint, ich solle meinen Spatzl doch bitte in der Hotelhalle abholen, man lasse einen Mann nicht allein zum Zimmer einer Frau.

Ja genau das hat mein Spatzl gemacht, sich einfach fürs Wochenende einen Flug genommen um mich in Sharjah zu besuchen! Wahnsinnig toll 🙂
Nachdem wir kein Auto, keinen Plan und auch sonst überhaupt wenig hatten, haben wir uns einfach Sharjah ein bisschen (zu Fuß!) angeschaut.

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Das erste Mal, dass ich hier ein wenig herausgekommen bin und mehr als die Uni, den Supermarkt und den Weg dorthin gesehen habe. Wie zum beispiel das Heritage Village (oben) und auch die Docks:

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Dazu noch den Blue Souk, eines der bekanntesten Gebäude in Sharjah und zweiprachige Verhaltensregeln für den Park.

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Dann war das wunderschöne Wochenende leider auch schon wieder vorbei und ich konnt mich nur auf den eigentlichen Besuch, den mein Freund geplant hat in vier Wochen freuen.

Katze